Ein Bild mit dem Titel der Geschichte "Denk einfach an was anderes" und dem Namen der Autorin "Helena Hartmann". Das Bild enthält auch das Logo von Science & Fiction und eine Grafik einer Frau, die am Boden liegt, ihr Kopf ein Wirrwarr aus Linien.

Eine Geschichte über kreisende Gedanken und wie man sie loswird.

Inhaltswarnungen

  • Depression
  • Grübeln

Die Kurzgeschichte

Charlotte denkt manchmal an die falschen Sachen. Sie denkt oft an die falschen Sachen.

“Denk einfach an was anderes. Denk. Einfach. An. Was. Anderes. Tipp Nummer 1 von Leuten, die nicht unter Depressionen leiden. Okay, versuchen wir es mal. Was wäre ein schöner und fröhlicher Gedanke? Mir fällt gerade spontan nichts ein …

Schauen wir uns mal die Gedanken an, die mir gerade durch den Kopf fliegen – vielleicht ist ja ein guter dabei, den ich gebrauchen kann: „Ich werde nicht schnell genug gesund.“ Hmm, das ist es nicht. „Ich bin eine Last für meine Familie.“ Ähm, vielleicht auch nicht. „Ich bin frustriert und traurig, und diese Gefühle werden immer wieder zurückkommen.“ Okay, das hilft nicht weiter. Was mich zu Gedanke Nr. 4 bringt: „Du hilfst der Situation nicht, wenn du dich so verhältst. Es wird nur immer schlimmer werden.“ Verdammt. „Oh, und weißt du was? Mach dich darauf gefasst, dich für den Rest deines Lebens beschissen zu fühlen, denn diese Gefühle werden nicht verschwinden, und ich habe noch viele mehr davon auf Lager. Hast du darüber nachgedacht, was dein Chef denken wird? Und deine Kolleg:innen, die all die Arbeit erledigen müssen, die du hättest machen sollen? Oder was du tun wirst, wenn dein Krankenstand vorbei ist? Du musst über diese Dinge nachdenken.“ Ähm, hallo Eskalation.”

Charlotte fragt sich, warum ihr Gehirn während einer Depression so unglaublich kreativ darin zu sein scheint, ihr all die Dinge auszumalen, die nicht gut laufen oder schiefgehen, oder Dinge, die sie nicht tut, aber tun sollte, oder Dinge, die sie hätte tun sollen, oder Dinge, über die sie sich Sorgen machen sollte. Was ist aus dem Gedanken geworden: „Hey, du bist um 5 Uhr morgens aufgewacht, aber du hast es geschafft, aufzustehen, dich anzuziehen, eine Runde um den See zu laufen und dann etwas zu essen?“ Charlotte’s Gehirn scheint sehr gut darin zu sein, diese kleinen Erfolge geschickt vor ihrem Bewusstsein zu verbergen. Sie weiß, dass sie zu viel nachdenkt, aber normalerweise führt das dazu, dass sie gut auf Aufgaben vorbereitet ist, pünktlich zu Terminen erscheint und sich in einem ständigen Zustand der aufgeregten Vorfreude befinde. Jetzt, da ihr Gehirn und Körper tief im „Ich bin depressiv und ängstlich“-Modus stecken, befindet sie sich gewissermaßen in einem Hamsterrad. Stell dir vor, dieses Hamsterrad dreht sich sehr schnell, Gedanken wiederholen sich und überschlagen sich ständig. Jeder negative Gedanke kommt einfach immer wieder zurück. Wie soll es in einem solchen Zustand möglich sein, „einfach an etwas anderes zu denken“? Es ist unmöglich. Vor allem für Charlotte, die sich direkt in dieser emotionalen Achterbahnfahrt befindet.

Wie sieht also Charlotte’s Strategie aus? Hin und wieder muss das Rad für ein paar Minuten anhalten, um neuen Treibstoff zu tanken. Irgendwann ist der Körper einfach zu erschöpft. Und sie nutzt diese kurzen Momente relativer emotionaler Stabilität, um ihr Gehirn mit positiven Botschaften zu fluten und hofft, dass sie an der richtigen Stelle rauskommen. „Du hast gestern deine Schwester besucht, ganz allein.“ „Du hattest ein richtig gutes Abendessen und hast einen schönen Film gesehen.“ „Die Sonne fühlt sich angenehm auf deiner Haut an.“ Jeder positive Gedanke ist eine winzige Murmel, die sie mit ins Hamsterrad nimmt, wie ein kleines Fellknäul, dass sich auf den Winter vorbereitet. Die Hoffnung bleibt, dass das Rad, sobald es sich wieder zu drehen beginnt, durch diese Murmeln der positiven Gedanken ein kleines bisschen verlangsamt wird. Und irgendwann, auch wenn das noch sehr weit weg scheint, werden die Murmeln zusammen vielleicht so schwer, dass sie das Rad ganz zum Stillstand bringen. Bis dahin wappnet Charlotte sich für eine weitere wilde Fahrt.

Diese Geschichte wurde aus dem Englischen von Helena Hartmann mithilfe von DeepL übersetzt und ohne Hilfe von KI geschrieben.

Die Studie

Watkins, E. R., & Roberts, H. (2020). Reflecting on rumination: Consequences, causes, mechanisms and treatment of rumination. Behaviour Research and Therapy, 127, 103573. https://doi.org/10.1016/j.brat.2020.103573

Die Verbindung zwischen Geschichte und Studie

Die Geschichte gewährt uns einen Einblick in die Gedankenwelt von Charlotte, einer depressiven Person, die ihre negativen Gedanken nicht kontrollieren kann und ständig grübelt. Sie soll verdeutlichen, wie schwer es diesen Menschen fällt, „einfach zu lächeln“ oder „einfach an etwas Positives zu denken“, denn genau das ist manchmal das Schwierigste überhaupt. Die wissenschaftliche Studie untersucht und fasst die Erkenntnisse zu den negativen Folgen eines solchen „Grübelns“ zusammen, das ein typisches Symptom von Depression ist.

Bitte beachte, dass diese Geschichte Strategien beschreibt, die dabei helfen können, negative Emotionen zu überwinden. Dies muss nicht unbedingt für dich oder deine Situation funktionieren. Bitte suche zur Behandlung einer Depression die Hilfe von Freunden, Familie und geschulten medizinischen Fachkräften.

Die Autorin

Helena hat Science and Fiction entwickelt und schreibt viele der Geschichten selber. In ihrer aktuellen Forschung als aktive Wissenschaftlerin beschäftigt sie sich mit den verhaltensbezogenen und neuronalen Grundlagen von Schmerz, Schmerzmodulation und Behandlungserwartungen anhand von Placebo- und Noceboeffekten. Ihr Doktorat absolvierte sie an der Social, Cognitive, and Affective Neuroscience Unit am Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien, wo sie Empathie und prosoziales Verhalten im Bereich Schmerz untersuchte.

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