Ein Bild mit dem Titel der Geschichte "Visionen" und dem Namen der Autorin "Isabelle Ritzenhoff". Das Bild enthält auch das Logo von Science & Fiction und eine Grafik einer Glaskugel.

Eine Geschichte über die andere Seite von Träumen am Lebensende.

Inhaltswarnungen

  • Tod
  • Suizid

Die Kurzgeschichte

Die Frau starrte schweigend in ihre Glaskugel.

Das Fenster stand offen und die Kälte der Nacht drang in den Raum ein, sodass sie zitterte.

Als sie aufstand, um das Fenster zu schließen, erschien ein weiteres Bild in der Kugel.

Diesmal war es ein Mann, der ein Kind umarmte.

Sieben Tage, beschloss sie. Sieben Tage, bevor sie den Tod schicken würde, um ihn hierher zu bringen.

Sie stand auf und schloss das Fenster.

Langsam hob sie die Kugel auf und flüsterte: „Hab keine Angst“.

Als sie diese Worte aussprach, öffnete der Mann den Mund und formte dieselben Worte.

„Du hast noch sieben Tage“, sagte sie, und der Mann wiederholte die Worte lautlos.

Dann verschwand das Bild.

Als Nächstes beschloss sie, den Tod zu einer Seele, mit der sie seit zwei Tagen gesprochen hatte zu schicken.

Sie schloss die Augen und flüsterte: „Du musst nicht mehr warten. Du musst nicht mehr darum betteln, hereingelassen zu werden. Hab keine Angst, du hast dir das seit letztem April gewünscht.“

Als sie die Augen öffnete, stand der Tod mit der Seele der Frau vor ihr.

Die beiden Frauen sahen sich an, dann nickte die Frau mit dem Ball. Der Tod nahm ihre Hand und führte sie aus dem Raum hinaus, ins Land der Toten.

Die Frau hatte glücklich ausgesehen, stellte sie fest. Erleichtert.

Eine weitere Vision unterbrach ihre Gedanken.

Diese war verwirrend, sie war nicht darauf vorbereitet.

Eine Frau, etwa in ihrem Alter, tanzte mit einem viel älteren Mann, der bereits verstorben war, auf einem Blumenfeld. Sie erkannte ihn von vor Jahren.

„Du hast noch so viel Zeit, denk noch nicht einmal daran“, sagte sie, und der Mann wiederholte ihre Worte lautlos. Die Vision verschwand.

Sie lächelte.

Sie starrte in ihre Glaskugel und wartete auf die nächste Vision.

Diese Geschichte wurde aus dem Englischen von der Autorin mithilfe von DeepL übersetzt und ohne Hilfe von KI geschrieben.

Die Studie

Rabitti, E., Cavuto, S., Díaz Crescitelli, M. E., Bassi, M. C., & Ghirotto, L. (2024). Hospice patients’ end-of-life dreams and visions: a systematic review of qualitative studies. American Journal of Hospice and Palliative Medicine, 41(1), 99-112. https://doi.org/10.1177/10499091231163571

Die Verbindung zwischen Geschichte und Studie

Da sich die Studie auf die Träume von Hospizpatient:innen am Lebensende und deren Auswirkungen konzentriert, wollte ich einen Blick auf die Seite der Studie werfen, die keine einfache Antwort bietet: Warum haben Hospizpatient:innen solche Träume? Und woher kommen sie?

Da es keine direkte Erklärung für diese Träume gibt, wollte ich dieses Element auch in der Kurzgeschichte vermitteln. In der Geschichte spiegelt die Glaskugel das Geheimnisvolle der Visionen wider – sie tauchen einfach auf, ohne dass erklärt wird, warum.

In der Studie wurden Hospizpatient:innen so oft wie möglich bis zu ihrem Tod oder ihrer Entlassung befragt, in einigen Fällen sogar noch nach ihrer Entlassung. Die Patient:innen wurden gebeten, ihre Träume oder Visionen zu beschreiben und sie hinsichtlich Wohlgefühl oder Belastung zu bewerten.

Die Patient:innen träumten oft von Verwandten, geliebten Menschen oder Personen, zu denen sie in ihrem Leben eine Verbindung hatten, unabhängig davon, ob diese noch lebten oder bereits verstorben waren.

Ich behielt dieses Element in der Geschichte bei und dachte gleichzeitig über den Grund für das Vorhandensein dieser Träume nach. Die Studie ergab auch, dass bedeutsame Erfahrungen für Träume am Lebensende von Wichtigkeit sind, was mich dazu inspirierte, diese beide wichtigen Aspekte zu kombinieren.

So subjektiv und zufällig diese Visionen und Träume auch erscheinen mögen, gibt die Studie uns eine wertvolle Gelegenheit, unsere Beziehung zum Tod, zu Träumen und zu geliebten Menschen in unserem Leben zu überdenken.

Die Autorin

Isabelle Ritzenhoff hat gerade ihr Abitur gemacht und 2025 ein Praktikum im Bingellab in Essen (Deutschland) absolviert. In ihrer Freizeit liest sie gerne oder verbringt Zeit mit Freunden.

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